Mia san Tier - Der Zoo-Podcast aus Hellabrunn

Mia san Tier - Der Zoo-Podcast aus Hellabrunn

Der Zoo-Podcast aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn

Transkript

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00:00:02: Wir geben euch in unserem Podcast ja immer Einblicke hinter die Kulissen des Tierparks.

00:00:19: Wir reden extrem oft über Artenschutz und Vizos, da beitragen und helfen – und wir lernen viel über die verschiedensten Tierarten dieser Welt!

00:00:29: Heute bin mal wieder ich für euch unterwegs im Tierpark Mischer Drauz und wir schauen gemeinsam bei den Hellerbrunner Gorillas vorbei.

00:00:36: Vor der Außenanlage stehe ich schon.

00:00:39: Ich sehe da schon einen sehr großen Gorilla auf einer Hängematte stehen und Ausschau halten, ob hier alles passt?

00:00:46: Ja, ich finde es passt alles!

00:00:48: Also uns.

00:00:49: zwar sind wir bei der Gorillagruppe denn da ist gerade super spannend es im Gange.

00:00:53: Es geht kurz gesagt um ein neuen Anführer.

00:00:57: Und wie das abläuft und was da alles in der Gruppe passiert Das hört ihr hier in unserer neuen Folge.

00:01:03: Und wer könnte uns alle da besser dran teilhaben lassen, als jemand der ganz nah an den Gorillas dran ist?

00:01:09: Simon Kuhn, Tierpfleger bei den Primaten.

00:01:12: Hallo Simon!

00:01:12: Ja hallo, schönen Tag!

00:01:14: Jetzt musst du uns ein bisschen erklären... das ist ja glaube ich nicht so richtig demokratisch irgendwie alle vier Jahre eine Wahl zum neuen Gorilla-Anführer sondern ein bisschen anders.

00:01:25: Wie ist es?

00:01:25: Ist gerade der Posten offen oder...?

00:01:29: Greift da jemand anderen an?

00:01:31: oder wie ist es bei den Gorillas gerade?

00:01:34: Naja, also wir in Hellerbrunnen haben jetzt eine bisschen besondere Situation weil wir eben zwei gleichalte Männchen relativ jung bekommen haben die sich halt hier quasi entwickeln durften.

00:01:45: Und die beiden sind jetzt quasi ja um die fünfzehn Jahre alt und fangen jetzt eben richtig an, dominant beziehungsweise halt im Silberrücken zu werden.

00:01:53: Und da ist jetzt halt die Frage wer von den Beiden eben diese Gruppe übernimmt und führen darf.

00:01:57: Bei uns Menschen so ab vierzehnt wächst irgendwie der Bart vielleicht bei den Jungen?

00:02:02: Bei den Gorillas wächst so mit zwölf dreizehn vierzehn ein Silber rücken also das Fell am Rücken wird silbern.

00:02:09: Ja genau Also die fangen eben an meistens so ab zehn jahre dann immer deutlich größeres Wachstum zu haben, deutlich mehr Testosteron im Körper kommt und mit der Zeit fängt halt eben auch das Fell am Rücken an etwas grauer zu werden.

00:02:22: Und eben dann mit fünfzehn wirklich komplett silber zu sein.

00:02:26: Das

00:02:26: ist bei allen so.

00:02:27: also alle männlichen Gorillas kriegen den Silbern in den Rücken?

00:02:30: Also in Haltung in europäischen Zoos gibt es natürlich auch Kastraten, bei denen das beispielsweise nicht so passiert.

00:02:36: Es ist dann eben hormonell bedingt dass eben nichts ein hoher Testosterone Spiegel da ist.

00:02:40: dementsprechend kommt es da eigentlich nicht dazu.

00:02:42: Und eben diese jungen Gorillas in der Natur nennt man eben auch Schwarzrücken, weil sie dieses Fell noch nicht ausgebildet haben.

00:02:48: aber grundsätzlich wenn alles hormonell stimmt bildet das jeder Gorilla aus.

00:02:53: Gab's denn davor jetzt gerade keinen Anführer in dieser Gruppe?

00:02:57: Jein, also muss ich ein bisschen weiter ausholen.

00:03:00: Es gab ja den alten Silberrücken hier in der Gruppe da Rotutu Der gestorben ist und dementsprechend ist es bei Gorilla-Gruppen immer relativ instabil wenn eben so einen Silber Rücken verstirbt weil die Männchen eben die Tiere sind die eben die Gruppe führen Die eben den Gruppenzusammenhalt stabilisieren durch ihre Dominanz um die Weibchen Und eben auch die Zuneigung zu den Weibchern.

00:03:21: sprich je beliebter ein Silber rücken ist desto enger bleibt die Grupper zusammen Wenn der Silberrücken fällt oder beispielsweise auch in der Natur andere Silberrücken in der Gruppe sind, mit denen die Weibchen mehr sympathisieren.

00:03:32: Dann wandern sie ja auch ab und wenn eben gar kein Männchen in der Nähe ist dann sind die weibchenhalten nicht so eng zusammen.

00:03:38: dementsprechend kann es sich relativ schnell instabil werden.

00:03:42: dementsprechend war eben die Gruppe relativ instabile und man musste sich langfristig ein bisschen was überlegen dass man eben wieder einen mänchen rein bekommt.

00:03:48: also das heißt Die Position war dann doch wirklich irgendwie offen eigentlich.

00:03:53: Und jetzt sind die zwei... Wer ist das?

00:03:55: Die zwei, um die es gerade geht, sind ja sozusagen alt genug geworden.

00:03:59: Genau wir haben jetzt zwei Männchen.

00:04:00: Wir haben einmal den Okanda und den Tano.

00:04:03: Okanda ist ein bisschen älter ein halbes Jahr und Thanos ein bisschen jünger.

00:04:07: Thanos aber dafür deutlich größer.

00:04:09: Wer

00:04:09: ist jetzt der, den ich am Anfang gleich gesehen habe auf der...?

00:04:12: Also Tano, der uns jetzt hier grad so ein bisschen stellt und eben schaut was wir hier machen und dass alles ein bisschen kontrollieren möchte hier vorne zu sehen.

00:04:20: und der Okander, den sehe ich jetzt gerade nicht.

00:04:22: Der wird wahrscheinlich auf der Innenanlage irgendwo rumdumpeln.

00:04:24: Okay also der Tano... Oh!

00:04:26: Jetzt seh' ich ihn auch super.

00:04:27: Er hat uns vorbei gerast einmal.

00:04:29: Das sieht man wirklich schon.

00:04:30: richtiger Silberrücken.

00:04:32: Und okay mein Respekt hat er gleich mal.

00:04:35: Der wirkt wie.

00:04:37: Ich bin hier der Chef in der Anlage oder zumindest will das ausstrahlen.

00:04:39: Also der scheint mir auf einem guten Weg zu sein.

00:04:42: Ja den Respekt den Willer von dir gerade haben.

00:04:45: Man kann ganz gut sehen wie er sich gerade aufbaut.

00:04:48: große Körperspannung, die Lippen sind gepresst und er versucht uns nicht direkt anzuschauen.

00:04:52: Aber immer zu kontrollieren was ist kann es auch gut sein dass er demnächst einmal gegen die Scheibe schlägt um uns zu zeigen hey geht bitte ein bisschen auf Abstand.

00:04:59: was wir auch gerne gleich machen können.

00:05:01: Tano ist auf jeden Fall deutlich größer und war jetzt in der Vergangenheit beziehungsweise die letzten Jahre einfach immer derjenige der ein bisschen dominanter ist einfach aufgrund der Größe Und Okanda sich ein bisschen zurückgehalten hat.

00:05:11: aber Wir haben halt die Situation das der okan da ein bisschen besser mit den Mädels kann.

00:05:17: Genau, passiert

00:05:18: wie du es gesagt

00:05:18: hast.

00:05:19: Okay ja dann gehen wir einfach ein bisschen hier ein paar Meter zurück.

00:05:22: Ja machen wir, gehen mal hier ein bisschen zurück ganz klar okay.

00:05:26: also wirklich klares Verhalten.

00:05:29: jetzt hast Du gesagt der Okanda hat sich zurückgehalten.

00:05:32: ist das schon so ein bisschen in diese Richtung?

00:05:35: ok ich kapituliere leicht oder eben doch nicht.

00:05:38: oder geht es überhaupt bei zwei gleich alten Gorilla-Männchen?

00:05:42: können die denn überhaupt weiter zusammen sein?

00:05:45: Also da kommt es halt stark auf die Art drauf an.

00:05:47: Beim westlichen Flachland-Gurilla, den wir hier im Tierpark haben ist es so dass eigentlich in den Gruppen nur ein einzelnes Silberrückenmännchen eben in der Gruppe lebt.

00:05:56: Die anderen schwarz rücken verlassen dann mit der Geschlechtsreife die Gruppe sondern ein bisschen solitär am Wald unterwegs bis beispielsweise einen Weibchen zu ihnen zuwandert oder sie ihn in anderen Silberrücken von einer Gruppe ablösen können.

00:06:07: durch Kämpfe.

00:06:08: dementsprechend ist das ne sehr... Unnatürliche Situationen mit den zwei Silberücken hier, weil theoretisch einer abgewandert wäre.

00:06:15: Was bei uns natürlich so momentan noch nicht möglich ist.

00:06:17: Das ist dann wahrscheinlich auch das was euch beschäftigt.

00:06:19: also wie geht ihr damit um?

00:06:21: Geht der vielleicht in einen anderen Tierpark?

00:06:23: Das ist ja auch immer nicht so leicht so ein Gorilla abzugeben.

00:06:27: oder aber auch habt ihr vielleicht ein bisschen Sorge dass da sogar irgendwie mal ein Kampf passiert oder sowas?

00:06:32: Gorillas sind ja eigentlich sehr friedsame Tiere, die die Konflikte eben meistens nicht unbedingt körperlich lösen müssen.

00:06:38: Aber wir merken schon dass einfach eine höhere Aggression und eine Anspannung in der gesamten Gruppe ist.

00:06:43: Einfach jetzt über das letzte Jahr sage ich mal immer mehr kleinere Konflikte aufgekommen sind und es kann natürlich immer größer werden.

00:06:51: Sprich in Zukunft wird's eventuell auch noch schlimmer konflikte geben wo wir dann eventuell einschalten müssen.

00:06:56: Jetzt überleg ich gerade, ist es wirklich rein so eine körperliche Sache?

00:07:00: Wer ist größer?

00:07:01: Wer bläht sich mehr auf?

00:07:02: Sag' ich jetzt mal in general.

00:07:04: Oder spielen da auch noch ganz andere Sachen eine Rolle?

00:07:07: also... Ich sag' jetzt mal soziale Kompetenzen!

00:07:09: Ich plaudere mal mit den Weibchen und die sprechen sich dann eher für jemandem aus.

00:07:15: Also wie komplex ist

00:07:16: das?!

00:07:17: Die soziale Komponente spielt eine große Rolle.

00:07:19: Gerade die Weibchen haben eigentlich die Entscheidung darüber, wer der Silberrücken von der Gruppe ist.

00:07:23: Sie wählen sich den Silberrücken eben auch nach Erfahrung aus.

00:07:27: Beispielsweise kann er die Gruppe gut beschützen was natürlich dann mit der Größe und der Kraft zu tun hat aber andere Sachen auch was beispielsweise Intelligenz angeht in der Natur beispielsweise Tiere die wissen wo gibt es gute Futterquellen?

00:07:39: Wo muss ich Fressverhänden aus dem Weg gehen?

00:07:41: wie kann ich beispielsweise auch mal ein Wilderer Falle, Entschärfen beispielsweise.

00:07:47: Solche Sachen ist viel Erfahrung und eben auch soziale Interaktion Und wir merken halt dass wir einfach deutliche Unterschiede zwischen unseren beiden Männern haben.

00:07:55: sprich unser dominanter kräftiger Mann der Tano hat weniger Rückhalt von der Gruppe.

00:08:00: Sprich wenn es zu einem Konflikt kommt dann haben wir Weibchen die mehr zum Okander halten.

00:08:05: Tano hatte quasi noch ein Weibcham das so ein bisschen mehr zu ihm hält.

00:08:08: Das ist unsere älteste Dinemer aber die anderen sind da schon deutlich auf der Seite vom Okandar.

00:08:14: Okay, das ist ja jetzt auf einmal wirklich ein bisschen krimi-spannende Wendung hier.

00:08:18: Also man hat am Anfang gedacht der Tano wirkt hier sehr dominant und so?

00:08:22: Ist es auch körperlich aber dann doch eigentlich bei der Gruppe.

00:08:25: würdest du ihr dann eher sagen es läuft eher auf den Okanda raus?

00:08:28: also ich würde persönlich schon sagen dass es wahrscheinlich eher auf okander rausläuft einfach weil er im umgang mit den weibchen auch ein bisschen besser ist auch positiver.

00:08:38: was heißt denn positiver?

00:08:39: naja

00:08:40: tanu glaube ich momentan in einer Situation, in der er quasi sehr viel Dominanz verhalten zeigen muss um die Kontrolle zu behalten über die Gruppe.

00:08:48: Wenn er das nicht tun würde könnte dieser Machtwechsel sehr schnell passieren und dementsprechend ist er sehr sehr viel am Kraft zur Schaustellen.

00:08:57: sehr sehr viele im kontrollieren wie es auch bei uns gemacht hat jetzt und eben auch bei den Weibchen.

00:09:01: auch mal einfach einen auf dem Deckel hauen so und dass ist natürlich auch nicht immer super

00:09:07: kommt auch nicht so gut an.

00:09:08: Kommt auch nicht immer so gut, dementsprechend haben wir dann eben Konflikte und bei diesen Konflikten sind halt die Weibchen hinterm Tano her und scheuchen ihn irgendwo hin.

00:09:17: beim Okander kommt es deutlich seltener vor.

00:09:19: Wenn du jetzt sagst, Intelligenz prüfen.

00:09:22: Wie macht ein Weibchen das denn?

00:09:24: Wer ist hier der Klügere von den beiden?

00:09:28: Ich lege ihnen irgendeinen Spielzeugwerkzeug hin und schau mal wer schneller damit klarkommt oder so.

00:09:34: Also wie finde ich das denn noch raus gerade im Tierpark?

00:09:38: Die Tiere beobachten sich gegenseitig sehr viel und lernen voneinander auch einiges.

00:09:43: Wir als Tierpfleger haben ja die Aufgabe, die Tiere auch möglichst gut beschäftigt zu halten.

00:09:47: Dementsprechend beschäftigen wir die Tiere hier viel mit, beispielsweise Futter schwerer erreichbar machen und da gibt es halt Tiere, die stellen sich ein bisschen intelligenter an und es gibt halt Tiere die tun sich dann ein bisschen schwerer.

00:09:58: Mach mal ein Beispiel was für eine Futteraufgabe ihr stellt?

00:10:01: Also wenn wir jetzt beispielsweise... unser Futter in Heubelle packen.

00:10:05: Da haben wir so große Plastikbälle mit Löchern, wo die Tiere die Aufgabe haben das irgendwie rauszufummeln.

00:10:09: Die machen wir dann wirklich schön pressvoll mit Holzwolle, dass eben nicht nur das Futter drin ist sondern dass sie da wirklich was zu tun haben.

00:10:15: und da gibt es halt Tiere, die haben eine geringere Frustrationstoleranz und geben früher auf als andere Tiere.

00:10:21: Und bei den Gorillas ist zum Beispiel das Tarnum schon einer der sich sehr clever dabei anstellt.

00:10:26: Ah okay eigentlich doch!

00:10:27: Jetzt hatte ich gedacht, da kommt Okan ein Spiel.

00:10:29: aber nein

00:10:30: Okan da macht es nicht weniger clever, aber das ist einfach nur ein Beispiel um zu erklären.

00:10:34: Das können wir hier in der Haltung sehen, dass halt eben jedes Tier seine eigene Strategie hat und manche kommen halt schneller ins Ziel und das kriegen die Weibchen natürlich mit.

00:10:41: Dementsprechend können sie da schon bisschen abschätzen wo was is'.

00:10:44: Die Gorilla-Männchen führen die Gruppe ja auch, sprich das Männchen zeigt okay hier gibt's eine gute Futterquelle kommt mal mit und da ist natürlich auch die Sache zeigt das Männchen den anderen eine Futterquelle oder beandern, sprucht sich dies alleine für sich.

00:10:57: und Hano ist beispielsweise einer der sehr dominant übers Futter ist.

00:11:00: Einfach nicht weil er so viel Hunger hat sondern einfach weil er eben die Kontrolle darüber haben möchte und da kann ein bisschen zurückhalten was natürlich im Sinne der Weibchen ist.

00:11:09: Merkt man denn bei denen auch ne Entwicklung jetzt?

00:11:11: Ja, also natürlich.

00:11:12: Die Männchen sind schon auch am Scanning beziehungsweise halt einfach zu gucken was macht die Gruppe wie ist die Gruppegrade weil sie ja auch die Aufgabe haben?

00:11:20: Die Gruppe zu schützen und eben auch zusammenzuhalten.

00:11:23: Frage ist dann halt immer welche Strategie wähle ich als Männch'n?

00:11:25: Und die Titano beispielsweise momentan wählt ist Dominanz und eben auf Konflikt suchen bisschen mehr Aggression reinbringen Einfach umzuzeigen hey Ich bin der kräftige.

00:11:35: bleibt mal bei mir Okanda es eben da ein bisschen anders.

00:11:38: Wie viele Weibchen sind es jetzt?

00:11:39: Also wie viele entscheiden da zu wem sie halten.

00:11:41: Also wir haben jetzt drei Weibche in der Gruppe, momentaner Stand ist zwei für Uganda und einer für Tano.

00:11:49: Schauen wir mal die Nema also Thanos Frau sag ich mal kriegt halt zur Zeit auch relativ viel ab.

00:11:56: dementsprechend ist sie vielleicht auch am Kippen aber das wissen wir nicht so genau.

00:12:00: Ist es dann doch der Plan des irgendwann dann zu sagen eigentlich hat diese Gruppe das entschieden.

00:12:06: Nehmen dann den Tano irgendwie eher raus oder kann man das?

00:12:09: Oder wird es dann auch eher was fehlen, dass man dazu sehr eingreift in so eine Gruppe viele, viele Fragen.

00:12:15: Also ich denke wir müssen früher oder später auf jeden Fall eingreifen weil so wird's langfristig mindestens zwischen dem Männchen zu Meerkämpfen und auch zu schwereren Verletzungen kommen.

00:12:26: im Worst Case eben auch bis zum Tod gibt's eben auch Konflikte die die Tiere dann so austragen Und das versuchen wir natürlich zu verhindern.

00:12:34: In so einer Entscheidung, wie geht es jetzt mit dieser Gruppe weiter ist natürlich jetzt einerseits die soziale Komponente.

00:12:40: Wie funktioniert's in der Gruppe?

00:12:42: Aber sowas können wir nicht genau vorhersagen.

00:12:44: Sprich wenn wir sagen, wir würden den Tano rausnehmen, wissen wir auch nicht, wie sich das in der gruppe grundsätzlich entwickelt.

00:12:49: Ob es beispielsweise NEMA, die ein Tano eigentlich schon unterstützt da ein Problem wird muss man dann auch sehen, wie es.

00:12:56: meistens kriegen die Tiere sich dann schon in den Griff beziehungsweise kriegen das alles gelöst.

00:13:00: aber was halt auch noch?

00:13:01: eine wichtige Komponenten einfach in der europäischen Erhaltungszucht die Genetik.

00:13:05: Und wir haben die Situation, dass der Tano beispielsweise genetisch weniger geeignet ist für die Zucht mit unseren Weibchen weil Tano es mit einem von unseren Weubchen über zwei drei Ecken auch näher verwandt.

00:13:20: dementsprechend das mit den beiden die zucht auch nicht optimal.

00:13:23: Okanda wäre da die bessere Wahl.

00:13:24: dementsprechend wirds vermutlich Richtung Okanda rauslaufen.

00:13:27: aber das ist auch nicht unbedingt unsere Entscheidung

00:13:30: Müssen wir vielleicht noch mal einen Tick ausholen, europäisches Erhaltungszuchtprogramm.

00:13:34: Da gibt es immer für jede Tierart ein Zuständigen der sich eben ganz genau damit auskennt auch gerade was Genetik angeht und wo's am passendsten und am besten für die oft bedrohten Tierarten wäre wie in allen Zoos gezüchtet wird.

00:13:49: deswegen also das spielt für euch schon eine Rolle und da wahrscheinlich dann schwierig ne Mischung wieder zu finden.

00:13:55: In dem Fall sieht ja ganz gut aus weil da auch von den Genen der Okanda besser wäre als der Tarnung.

00:14:02: Aber das spielt eben auch eine Rolle mit dem Zuchtprogramm, weil es ja auch um den Erhalt der Tierart in den Zoos geht?

00:14:08: Ja auf jeden Fall!

00:14:09: Das europäische Haltungs-Zuchprogramm hat ja eben das Ziel, eine belastbare Ersatzpopulation aufzubauen die dann eventuell in gesicherten Gebieten wieder ausgewildert werden kann.

00:14:17: Dementsprechend brauchen wir eine hohe genetische Vielfalt.

00:14:20: heißt es gibt einen Koordinator Riesendatenbank hat mit den Verwandtschaftsgraden einen großen Stammbaum hat, der dann einfach weiß wie sind die Tiere miteinander verwandt und welche wären denn optimal also am weitesten voneinander entfernt um für Nachwuchs zu sorgen.

00:14:35: Demnach wird halt entschieden welches Tier beispielsweise in welchen Zoo geht.

00:14:39: aber das ist natürlich nicht das einzige Kriterium.

00:14:41: so was wie eine soziale Komponente ist natürlich auch sehr wichtig weil nur weil die Genetik passt heißt es nicht dass die Tiere auch unbedingt miteinander harmonieren müssen.

00:14:49: dementsprechend müssen wir an das EEP Feedback geben, zu sagen hey wie schaut es bei uns aus?

00:14:55: Wie läuft's und dass man da einfach in einem guten Austausch ist um zu schauen wie gehts in der Zukunft weiter.

00:15:20: Mir sind hier der Zoo-Podcast aus Hellerbrunn und ich bin weiter mit Tierpfleger Simon bei der Gorilla Gruppe am Beobachten.

00:15:29: Also im Außenbereich singen jetzt mittlerweile alle drei Weibchen zu sehen, natürlich Walter Tano, der auch immer gut alle im Blick hat, hat man einen Druck?

00:15:38: Eindeutig die Weibche wirklich viel kleiner als die Männchen?

00:15:41: ja!

00:15:41: Ja auf jeden Fall also Männchens bei Gorillas deutlich größer, deutlich kräftiger gebaut.

00:15:47: Die Weibchan sind die Männchen sind so zwischen hundert und achtzig bis zweihundert Kilo, also das ist schon deutlicher Unterschied.

00:15:55: Okana hält sich jetzt aber fern?

00:15:57: Ist es jetzt schon mittlerweile so dass wenn sie jetzt auf drei vier Meter Entfernung zusammen sind, dass es dann schon kracht oder kommt es irgendwie ein bisschen auf Tagesform an?

00:16:06: Das kommt auch ein bisschen in die Tagesform und eben auch auf die Situation jeweilig.

00:16:11: zusätzlich haben wir das Problem dass die beiden eben auch Handaufzuchten sind also Tano und Okana beides handaufzucht.

00:16:17: Dementsprechend reagieren sie auch viel auf Pfleger, sprich wenn ein Pflegepräsenz kann es sein dass meistens immer ein bisschen mehr passiert als wenn man nicht anwesend ist weil die eben auch mit uns interagieren und eben da auch Konflikte entstehen.

00:16:29: Ist ja auch für euch dann entscheidend das ihr wie du gerade auch schon gesagt okay wir gehen wieder ein paar Meter zurück.

00:16:34: also dass

00:16:34: ihr euch wirklich

00:16:35: möglichst viel raushalten müsst grade?

00:16:37: Ja

00:16:37: auf jeden Fall!

00:16:38: Also möglichst wenig Interaktion, die Tiere sollen ihr Ding untereinander machen und wir sind eigentlich quasi nur so im Hintergrund und schauen wann wir eventuell irgendwas machen müssen.

00:16:47: Man sieht es den Tieren ja auch an.

00:16:48: Die zeigen ja dann bestimmte Verhaltensweisen, wie das Lippen pressend zum Beispiel ist, dass sich aufstellen und Geruch abgeben, Schweiß auf der Nase und so was.

00:16:57: Es gibt ganz viele Sachen die man sehen kann, auch wenn sie ihre Füße zusammen drücken und quasi auf den Feusten stehen und eben auch die Hinterbeine die Daumen wirklich angepresst sind.

00:17:07: Sieht man eben auch, wenn die jetzt relativ nahe auseinander sind.

00:17:10: Deswegen halten die schon meistens relativ viel Abstand zueinander.

00:17:12: aber man kann uns auch sehen, die NAFI ist gerade ein bisschen am Gucken.

00:17:16: Lieber mal ein Stückchen weggehen.

00:17:17: Tano ist auf sie zu und sagt, ich gehe weiter weg.

00:17:22: Wirklich eine spannende Zeit, um hier vorbeizuschauen und die Gruppe zu beobachten.

00:17:26: Eigentlich läuft viel drauf hinaus, dass doch Okana diese Gruppe übernimmt.

00:17:32: Und Tano müsste dann eher den Tierpack verlassen oder auch wer hier denkt bei das mal zwei Teil der Anlage?

00:17:40: Oder sowas ist auch disdenkbar...

00:17:42: Prinzipiell haben wir im europäischen Haltungsdurchprogramm das Problem, dass wir mit der Sozialstruktur von den Gorillas die Pro-Gruppe eigentlich nur ein Männchen zulassen.

00:17:51: Aber bei einer bedrohten Tierart, die wir züchten – bei jeder Geburt eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit haben, dass es ein Mänchen wird – heißt auf lange Sicht gesehen haben wir einfach zu viele Männche in ganz Deutschland.

00:18:01: Weil

00:18:01: du eigentlich eher fünf Weibchen ein Mänchen bräuchtest und du kriegst halt immer fünftig hilfti?

00:18:06: Vom Prinzip!

00:18:07: Im europäischen Erhaltungsprogramm machen sie's meistens so... zwei bis drei Weibchen pro Männchen sind, damit mehrere Männchenden die Möglichkeit haben zu züchten um eine höhere genetische Vielfalt zu haben.

00:18:17: Dementsprechend braucht man halt immer doppelt so viele Weibche wie Männche und das ist einfach langfristig ein Problem.

00:18:23: Da die Tiere natürlich in der Natur auch mal solitär unterwegs sind, kann man sie eben auch eine Zeit lang alleine halten oder in einer Nähe zu einer Gruppe.

00:18:31: Aber das ist natürlich auch Stress für den anderen Mann und eben auch für den einzelnen Mann, weil es sind natürlich soziale Tiere, die sehr viel interagieren.

00:18:40: Und das Ziel muss sein, die Tiere in einer sozial funktionierenden Gruppe unterzubringen.

00:18:44: Aber wie ist das denn im natürlichen Lebensraum?

00:18:46: Da muss ja das auch geben, das Problem eigentlich!

00:18:49: Ja, das Problem gibt es da auch.

00:18:50: Das Problem wird so gelöst dass die Tiere eben alleine unterwegs sind und im Wald in der Nähe von anderen Gruppen sind und das Ganze ein sehr viel dynamischeres System ist, das halt mal einen Weibchen zu einem einzelnen Silberrücken abwandert, der eine quasi neue Gruppe gründen kann und das können wir in der Haltung.

00:19:08: also da haben wir einfach nicht die Flexibilität um zu sagen mal das Weibchen, das Männchen dahin und so weiter.

00:19:15: Und sofort weil klar diese ganzen Transfers sind wichtig aber auch immer Stress fürs Tier und wir haben halt nur begrenzt Platz.

00:19:22: Problem

00:19:22: ist irgendwie klar geworden.

00:19:23: jetzt gibt es eine Lösung oder gibt's Ideen wie man das am besten lösen kann?

00:19:28: Es gibt Ideen.

00:19:29: also das EEP macht das in der Regel so dass es eben auch Junggesellengruppen von Gorillas macht die dann meistens mit Ja, kurz bevor sie Richtung Silberücken gehen so mit sieben, acht, neun, zehn Jahren eben in eine reine Männergruppe gehen da sich eben entwickeln können.

00:19:46: Das ist bloß leider auch relativ instabil.

00:19:48: also die Gruppen halten zwar für eine gewisse Zeit gut zusammen aber je älter die Tiere werden das eher kommt es eben auch zu Konflikten und man muss auch da eben Tiere verteilen können heißt dass gibt sehr viele Tiere die eben auch in den europäischen Zoos zum Teil alleine sitzen und darauf warten irgendwo verteilt zu werden.

00:20:05: Simon dann vielen Dank dir für diese Einbläcke, die du uns gegeben hast.

00:20:09: Zum Abschluss noch eine Prognose!

00:20:11: Wie wird es jetzt weitergehen?

00:20:12: Was denkst Du?

00:20:14: Die Prognose ist, dass wir auf jeden Fall einen Männchen abgeben.

00:20:17: Wann genau wissen wir selber noch nicht und wohin genau?

00:20:19: Das ist alles EP-Geschichte.

00:20:22: Wenn es jetzt zum äußersten kommt kann sein das eben ein Männchern abgetrennt wird oder wie beispielsweise die Gruppe auch kurzfristig splitten um eben noch die soziale Komponente zu haben.

00:20:31: aber das entscheidet die Tiere halt irgendwie so ein bisschen selbst je nachdem wie gerade der spannungszustand der Gruppe ist.

00:20:38: Und ja genau

00:20:40: Vielen Dank und bis bald mal wieder!

00:20:42: Bis bald gerne.

00:20:43: Das war's dann also mit mir, Santir.

00:20:45: Für diesmal wer noch mehr hören will ich empfehle euch Folge hundertdreien sechzig noch gar nicht lange her aber wer noch nicht reingehörte die neue Dschungelwelt in Hellerbrunnen.

00:20:55: super spannend was es da alles zu entdecken gibt.

00:20:58: am Mikrofon verabschiedet sich Mr.

00:20:59: Drautz und ich sag wie immer bis bald im Tierpark Heller Brunn.